Ha det bra Tyskland

8 01 2011

Es war eine denkwürdige Feier die da im Hildebrandpark stieg, und es sollte für mich meine letzte Hausparty für lange Zeit bleiben. Der Tag hatte angefange wie jeder andere auch, vielleicht mit dem Unterschied dass alles etwas stressiger war als sonst da noch viele Dinge zu erledigen waren bevor ich mich in den Norden absetzen sollte, viele Dinge die meine persönliche Anwesenheit erforderten. So tingelte ich also durch die Motorstadt am Neckar (wie es die Massiven Töne mal so schön treffend formuliert hatten) und genoß noch ein letztes Mal die vortreffliche Infrastruktur und den engen Takt des U- und Stadtbahnnetzes welches dort vorhanden ist und von den meisten Bürgern auch sehr geschätzt wird. Die SSB erheiterte mich auch nochmal durch eine ihrer mehr als lustigen Ansagen vom Band welche sich immer anhören als seien sie zwischen den Schichtwechseln kurz vom Dienststellenleiter persönlich aufgenommen worden und doch sehr amateurhaft für so en großes Unternehmen wirken.

Jedenfalls war ich einige Stunden vor der Feier von den letzten Eindrücken so geplättet dass ich eigentlich lieber ins Bett wollte als noch einen auf Gastgeber zu machen. Es sollte jedoch anders kommen …

Die komplette WG versammelte sich bereits einige Zeit vor dem von mir angegebenen “offiziellen” Beginn in der Küche und verströmte eine alles entspannende Atmosphäre. Wie das so ist rechnet man eigentlich wenn man Zusagen zu einer Party bekommt höchstens mit der Hälfte der zugesagten Leute. Da sollte ich mich ziemlich irren: Ab Neun klingelte es beständig an der Türe und es trudelten immer wieder neue Leute ein die sich in der bald bis zum brechen gefüllten Wohnung verteilten redeten, tranken und feierten. Ich bin den ganzen Abend ein wenig wie unter einer Käseglocke durch die Gegend geschwebt, ergriffen klingt zwar ewas pathetisch aber es trifft den Gemütszustand doch ganz gut. Für viele war es auch gleichzeitig der erste besuch in meiner bald ehemaligen WG und für andere wiederum war es ein Wiedersehen an dem Ort an dem wir einen genialen Sommer verbracht und gemeinsam die Fußball-WM gefeiert hatten.

Kurzum: eine Hausparty die schon lange mal wieder fällig war und bei der ich zum Glück nicht ständig das Gefühl hatte jemanden zu vernachlässigen. Zu .späterer Stunde folgte dann eine noch sehr emotionale Verabschiedung von jedem einzelnen und spätestens am nächsten Tag war mir klar dass das auf sehr lange Zeit das letzte Mal war dass wir so gefeiert hatten. Fortsetzung folgt? Wäre schön aber vermutlich nicht, was aber auch ganz gut so ist denn die Geschichte zeigt dass Fortsetzungen eines gelungen ersten Teil eigentlich vieles nur kaputt machen.

Ich werde das Haus als das in Erinnerung behalten was es für mich in diesem Jahr war: eine Insel und eine Erholung inmitten einer beruflich doch ziemlich unbefriedigenden Zeit in welcher ich lernen musste dass man doch manchmal vieles riskieren muss und Sicherheit nicht immer gleichbedeutend mit Zufriedenheit ist. So nehme ich diesen Verlust in Kauf und freue mich inzwischen umso mehr auf die Zukunft im Kühlschrank Europas. Es hat mich auch gelehrt, ganz im Gegensatz übrigens zu meinen Erfahrungen im Beruf, dass man sich auf Mitmenschen immer noch verlassen kann.

So sitze ich jetzt hier auf diesem etwas in die Jahre gekommenen, leicht rostigen Touristenkutter und schipper durch die schwarze und unwirtliche Nordsee meinem Ziel entgegen. Es fällt mir immer noch schwer mich an den Gedanken zu gewöhnen dass ich eben nicht in ein paar Tagen wieder auf dem Heimweg bin sondern diese Fahrt vorerst “Oneway” bleibt. Fremde Sprache, fremder Singsang und das Gefühl etwas wie ein Außerirdischer auf diesem Boot zu sein. Von allen Seiten tönt mir Dänisch, Norwegisch und Polnisch entgegen und auf dem Autodeck hab ich außer meinem nur noch ein weiteres deutsches Auto (aus dem hohen Norden wohlgemerkt!) entdecken können.

Es fällt mir noch schwer aber mit jedem Tag weicht die Schwere der Freude …

 

 


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