Es ist der Monat der Nacht, insgesamt 12 Nachtdienste in den letzten 3 Wochen. Zwar immer wieder freie Tage und zwei Tagdienste dazwischen, jedoch hinterlässt das seine Spuren. Vor allem wenn man am Wochende anfangen muss…
Es ist wohl der letzte wirklich warme Tag des Monats als ich unter dem Feuersee aus der S-Bahn steige, eine warme Brise weht mir von der Oberfläche entgegen als ich mit der Rolltreppe aus dem unterirdischen S-Bahnhof in die Abenddämmerung fahre. Die Kirche am Feuersee ist hell erleuchtet um mich herum wabern Gesprächsfetzen und innenstadttypische Geräusche durch die noch warme Nachtluft. Unverkennbar Wochenende in der Stadt, ich genieße das Gefühl nicht allein zu sein sondern im festen Griff einer Großstadt. Für jemand der auf dem Land aufgewachsen ist kann dieses Gefühl furchtbar sein. Für mich ist es befreiend, es bedeutet irgendwann wach zu sein, aufzupassen während der Rest um mich herum im Schlaf liegt. Es bedeutet irgendwann bei der Zigarettenpause auf dem Balkon zu stehen und in ein krudes Muster aus erleuchteten Fenstern und Straßenlaternen zu blicken, über schlafende Häuser zu sehen und die Morgendämmerung als erster über dem Meer der Dächer zu erblicken. Keine Finsternis, keine Totenstille wie in meinem Dorf in dem ich aufgewachsen bin und in dem sie Straßenbeleuchtung um 1 Uhr abschalten.
21:15 Uhr – Übergabe
Nichts neues, alle schlafen, her B. hatte Fieber und der Arzt hat ihm ein Klysma verabreicht was mir heute Nacht einiges an ungeplanter Arbeit verschaffen wird (der Arzt ist ja dann nicht mehr da!)
21:30 Uhr – Allein
Die Spätschicht geht nach Hause und schläft den Schlaf des Gerechten, Kaffeemaschine, Zigarette (oder zwei!), dann Mediausgabe
22:00 Uhr – Rundgang 1
Umlagern, Kanülenreinigen, Absaugen, nach dem Rechten sehen, Temperatur messen, Inkontinezunterlagen wechseln und das ärztlich verursachte Chaos beseitigen, danach das nachfolgende ärztlich verursachte Chaos beseitigen und weil es so schön war das ganze 20 min später nochmal
23:00 Uhr bis 1:30 – Tote Hose
Fotostory ausdenken, umsetzen und daran denken es im Blog zu veröffentlichen
6:45 Uhr – Feierabend
Ich wanke aus dem Heim, todmüde, erste Zigarette im Morgengrauen, ab unter die Erde in die S-Bahn
8:00 Uhr – Schlaf





