Inspiriert durch Monsterdocs geniale „Krankenhausrivalitäten“ wollte ich mich aus aktuellem Anlass mal den Rivalitäten innerhalb der Pflege zuwenden. Heute treten zwei Gruppen gegeneinander an deren Verhältnis man am ehesten als Hassliebe bezeichnen kann. Der Funktionsbereich gegen die Station! Man ist voneinander abhängig aber man versucht sich gegenseitig die Arbeit so schwer wie möglich zu machen:
„In der blauen Ecke die Meisterin der überraschenden Attacken mit einer nervösen Rechten, seit 9 Kämpfen ungeschlagen, alle durch pampige Kinnhaken und KO in der ersten Runde. Meine Damen und Herren begrüßen sie mit mir die Titelverteidigerin im Endoskopiegewicht!
Dagegen in der roten Ecke die viel versprechende Herausforderin, die in bisher 5 Kämpfen durch extrem langen Atem ihre Gegner regelrecht zermürbte.
Ring frei!“
- Runde 1:Der Gong ertönt und beide Kämpferinnen tänzeln unbeschwert umeinander herum, kommen sich näher und weichen wieder voneinander ab. Da landet die Funktionsschwester eine extrem überraschende und gekonnte rechte Gerade mitten auf die Zwölf der Stationsschwester, diese taumelt zurück sieht auf die Uhr und erschrickt sich wie schnell doch die Zeit heute umgeht, da ertönt bereits der Gong.
In der Pause fächelt der Stationsarzt der jungen Herausforderin mit der Akte Luft zu und
brüllt etwas von „das ist immer so, nicht nervös machen lassen“. Die Funktionsschwester
sieht übel gelaunt herüber und trinkt den fünften Kaffee. Gong!
- Runde 2:Die Stationsschwester deckt ihre Kontrahentin auf der Stelle mit einem Hagel von Schlägen ein, so dass sie völlig überrascht ihre Tasse fallen lässt. Darauf war sie nicht vorbereitet und gibt sich alle Mühe in die Deckung zu gehen um das schlimmste zu verhindern. Die Internisten auf den Rängen geraten in Panik während die Chirurgen anerkennend mit dem Kopf nicken und sich über die Panik freuen. Der Gong ertönt!
- Runde 3:Der Kampf beginnt jetzt bereits zäh zu werden, keiner traut sich mehr richtig aus der Deckung aus Angst vor weiteren Punktverlusten. Von den Rängen ertönen Buhrufe und Pfiffe, die Lernschwestern blicken sich verwirrt an, welche Lehren sollen sie jetzt bitte daraus ziehen?Gong, die Runde verstreicht ohne nennenswerte Aktionen beider Seiten.
- Runde 4:Es muss etwas geschehen um diesen Kampf siegreich zu beenden also nutzt die Funktionsschwester die Trägheit in der Bewegung ihrer Gegnerin aus und landet einen fetten Leberhaken. „Zack!“ Das hat gesessen, die Herausforderin taumelt benommen und nimmt die Deckung zurück, die Titelverteidigerin sieht ihre Chance den Kampf durch ein weiteres KO zu gewinnen direkt vor sich und setzt ein Bronchoskop mit zerbissener Fiberoptik ein. Damit landet sie einen gezielten Schlag auf die Zwölf der Stationsschwester welche augenblicklich zu Boden geht und ausgezählt wird.
Doch was ist das: Die im Gesicht bereits blutende Schwester erhebt sich langsam und wehrt mittels Dokumentationssystem den sofort wieder einsetzenden Attacken der Titelverteidigerin zwar unbeholfen aber erfolgreich aus bis sie der Gong rettet!
Der Stationsarzt will eine Auszeit und macht seine Krankenschwester mittels Kaffee und Zigaretten wieder fit. Er beschwert sich beim Ringrichter über den unlauteren Einsatz des kaputten Bronchoskop. Diese beraten sich und beschließen der Funktionsschwester dafür Punkte abzuziehen. Die Arena tobt! Diese Entscheidung bringt sämtliches Pflegepersonal aus den Funktionsbereichen auf die Barrikaden, es entbrennt eine Diskussion darum wer das Gerät kaputt gemacht hat. Der Oberarzt hat alle Hand voll zu tun die Zuschauer auf den Rängen zu halten und die Situation zu entschärfen.
- Runde 5:Die Funktionsschwester ist stinksauer, damit hat sie beim besten Willen nicht gerechnet. In ihrer blinden Wut beginnt sie die Herausforderin mit schnellen Schlägen zu attackieren. Diese wehrt ab und nutzt die fehlende Deckung und die Unbesonnenheit der Endoskopietante aus, landet einen harten Kinnhaken mit der Linken und schickt ihre Kontrahentin auf die Bretter. Der gnädige Gong ertönt gerade rechtzeitig!
- Runde 6:Jetzt kocht die Sporthalle. Unter großem Gejohle und Anfeuerungsrufen stürmen die beiden Kämpferinnen aufeinander und versprühen ihre bis dahin aufgesparten verbalen Giftpfeile bevor die Stationsschleicherin anfängt zu klammern. Noch bevor der Ringrichter eingreift befreit sich die Funktionstante mit einem Trick. Sie ruft nach der Oberschwester Pflegedienstleitung welche sich augenblicklich mit betont mütterlich-gestresst wirkendem Blick materialisiert und die Stationsschwester „liebevoll“ über den Umgang mit einem Endoskop aufklärt. AUTSCH! Der hat gesessen, die Schwester geht synkopenartig zu Boden und wird ausgezählt!
Auf den Rängen explodieren die Emotionen. Die Internisten diskutieren immer noch wild gestikulierend den Einsatz des Bronchoskops während die Chirurgen eine weitere Runde Erdnüsse und Hotdogs ordern um den Streit der Diagnostikärzte untereinander auch würdig zu genießen. Die Lernschwestern sind geschockt ob der Brutalität des Fights und bekommen von ihren Pflegepädagogen die Aufgabe im nächsten Schulblock in Gruppenarbeit und unter Einsatz des Moderationskoffers ein Referat und ein Plakat über „Deeskalationstaktiken auf Krankenhausebene“ auszuarbeiten. Die Ergebnisse sollen auf dem nächsten Selbsterfahrungsseminar im Kloster St. Judas vor dem Wald vorgestellt werden.
Die K.O. Gegangene Schwester wacht unterdessen etwas benommen auf einer Trage wieder auf wo sie sofort von einem jungen Rettungssanitäter und seinem Assistent vollgequatscht und mit zweifelhaften Komplimenten eingedeckt wird Sie reckt die Faust geballt gen Himmel und schwört Revanche.
Fazit?



