Tonight: Funktionsbereich vs. Station

19 11 2009

Inspiriert durch Monsterdocs geniale  „Krankenhausrivalitäten“ wollte ich mich aus aktuellem Anlass mal den Rivalitäten innerhalb der Pflege zuwenden. Heute treten zwei Gruppen gegeneinander an deren Verhältnis man am ehesten als Hassliebe bezeichnen kann. Der Funktionsbereich gegen die Station! Man ist voneinander abhängig aber man versucht sich gegenseitig die Arbeit so schwer wie möglich zu machen:

„In der blauen Ecke die Meisterin der überraschenden Attacken mit einer nervösen Rechten, seit 9 Kämpfen ungeschlagen, alle durch pampige Kinnhaken und KO in der ersten Runde. Meine Damen und Herren begrüßen sie mit mir die Titelverteidigerin im Endoskopiegewicht!

Dagegen in der roten Ecke die viel versprechende Herausforderin, die in bisher 5 Kämpfen durch extrem langen Atem ihre Gegner regelrecht zermürbte.

Ring frei!“

  • Runde 1:Der Gong ertönt und beide Kämpferinnen tänzeln unbeschwert umeinander herum, kommen sich näher und weichen wieder voneinander ab. Da landet die Funktionsschwester eine extrem überraschende und gekonnte rechte Gerade mitten auf die Zwölf der Stationsschwester, diese taumelt zurück sieht auf die Uhr und erschrickt sich wie schnell doch die Zeit heute umgeht, da ertönt bereits der Gong.

In der Pause fächelt der Stationsarzt der jungen Herausforderin mit der Akte Luft zu und

brüllt etwas von „das ist immer so, nicht nervös machen lassen“. Die Funktionsschwester

sieht übel gelaunt herüber und trinkt den fünften Kaffee. Gong!

  • Runde 2:Die Stationsschwester deckt ihre Kontrahentin auf der Stelle mit einem Hagel von Schlägen ein, so dass sie völlig überrascht ihre Tasse fallen lässt. Darauf war sie nicht vorbereitet und gibt sich alle Mühe in die Deckung zu gehen um das schlimmste zu verhindern. Die Internisten auf den Rängen geraten in Panik während die Chirurgen anerkennend mit dem Kopf nicken und sich über die Panik freuen. Der Gong ertönt!
  • Runde 3:Der Kampf beginnt jetzt bereits zäh zu werden, keiner traut sich mehr richtig aus der Deckung aus Angst vor weiteren Punktverlusten. Von den Rängen ertönen Buhrufe und Pfiffe, die Lernschwestern blicken sich verwirrt an, welche Lehren sollen sie jetzt bitte daraus ziehen?Gong, die Runde verstreicht ohne nennenswerte Aktionen beider Seiten.
  • Runde 4:Es muss etwas geschehen um diesen Kampf siegreich zu beenden also nutzt die Funktionsschwester die Trägheit in der Bewegung ihrer Gegnerin aus und landet einen fetten Leberhaken. „Zack!“ Das hat gesessen, die Herausforderin taumelt benommen und nimmt die Deckung zurück, die Titelverteidigerin sieht ihre Chance den Kampf durch ein weiteres KO zu gewinnen direkt vor sich und setzt ein Bronchoskop mit zerbissener Fiberoptik ein. Damit landet sie einen gezielten Schlag auf die Zwölf der Stationsschwester welche augenblicklich zu Boden geht und ausgezählt wird.

    Doch was ist das: Die im Gesicht bereits blutende Schwester erhebt sich langsam und wehrt mittels Dokumentationssystem den sofort wieder einsetzenden Attacken der Titelverteidigerin zwar unbeholfen aber erfolgreich aus bis sie der Gong rettet!

    Der Stationsarzt will eine Auszeit und macht seine Krankenschwester mittels Kaffee und Zigaretten wieder fit. Er beschwert sich beim Ringrichter über den unlauteren Einsatz des kaputten Bronchoskop. Diese beraten sich und beschließen der Funktionsschwester dafür Punkte abzuziehen. Die Arena tobt! Diese Entscheidung bringt sämtliches Pflegepersonal aus den Funktionsbereichen auf die Barrikaden, es entbrennt eine Diskussion darum wer das Gerät kaputt gemacht hat. Der Oberarzt hat alle Hand voll zu tun die Zuschauer auf den Rängen zu halten und die Situation zu entschärfen.

  • Runde 5:Die Funktionsschwester ist stinksauer, damit hat sie beim besten Willen nicht gerechnet. In ihrer blinden Wut beginnt sie die Herausforderin mit schnellen Schlägen zu attackieren. Diese wehrt ab und nutzt die fehlende Deckung und die Unbesonnenheit der Endoskopietante aus, landet einen harten Kinnhaken mit der Linken und schickt ihre Kontrahentin auf die Bretter. Der gnädige Gong ertönt gerade rechtzeitig!
  • Runde 6:Jetzt kocht die Sporthalle. Unter großem Gejohle und Anfeuerungsrufen stürmen die beiden Kämpferinnen aufeinander und versprühen ihre bis dahin aufgesparten verbalen Giftpfeile bevor die Stationsschleicherin anfängt zu klammern. Noch bevor der Ringrichter eingreift befreit sich die Funktionstante mit einem Trick. Sie ruft nach der Oberschwester Pflegedienstleitung welche sich augenblicklich mit betont mütterlich-gestresst wirkendem Blick materialisiert und die Stationsschwester „liebevoll“ über den Umgang mit einem Endoskop aufklärt. AUTSCH! Der hat gesessen, die Schwester geht synkopenartig zu Boden und wird ausgezählt!

Auf den Rängen explodieren die Emotionen. Die Internisten diskutieren immer noch wild gestikulierend den Einsatz des Bronchoskops während die Chirurgen eine weitere Runde Erdnüsse und Hotdogs ordern um den Streit der Diagnostikärzte untereinander auch würdig zu genießen. Die Lernschwestern sind geschockt ob der Brutalität des Fights und bekommen von ihren Pflegepädagogen die Aufgabe im nächsten Schulblock in Gruppenarbeit und unter Einsatz des Moderationskoffers ein Referat und ein Plakat über „Deeskalationstaktiken auf Krankenhausebene“ auszuarbeiten. Die Ergebnisse sollen auf dem nächsten Selbsterfahrungsseminar im Kloster St. Judas vor dem Wald vorgestellt werden.

Die K.O. Gegangene Schwester wacht unterdessen etwas benommen auf einer Trage wieder auf wo sie sofort von einem jungen Rettungssanitäter und seinem Assistent vollgequatscht und mit zweifelhaften Komplimenten eingedeckt wird Sie reckt die Faust geballt gen Himmel und schwört  Revanche.

Fazit?





Die Zaubertasche

6 11 2009

Nachdem nun allerortens in Blogs mit medizinischem Inhalt die Taschen geleert werden und ich erst heute abend beim Umziehen nahezu meinen kompletten Inhalt des Oberteils auf dem Boden der Umkleide verteilt habe dachte ich es ist mal an der Zeit den Inhalt meiner scheinbar unendlichen Taschen zu offenbaren:

Brusttasche:

- Ein blauer Kuli (Geschenk meiner Examensstation), drei Filzstifte in Rot, Grün und Schwarz (letzterer etwas dicker und wasserfest)

- Mandrins in drei verschiedenen Größen (22,20,18) und schwankender Anzahl

-Pupillenleuchte im Kuliformat

Linke Kitteltasche:

- Ersatzgehirne (1. Zettel mit Patientennamen, Daten und Diagnosen, 2. Notizblock)

- Kombistopfen und Monovettenadapter

Rechte Kitteltasche:

- Verbandsschere

- Stauschlauch (Ein Accessoire mit dessen Umgang ich mich erst auf der Station vertraut machen musste, da wir allesamt das Blutabnehmen und Venenverweilkatherlegen selbst veranstalten)

- Schlüsselkarte (damit ich nachm Rauchen wieder in die geheiligten Hallen gelange)

- Fixiermaterial (Pflasterrolle, Mullbinde)

Gesäßtasche:

- Handschuhe (M)

Nachtrag zu gestern: Ich hab die Pean-Klemme die ich an den Unterrand meines Kittel geklemmt habe noch vergessen. „You never walk alone …“ das Ding ist meiner Meinung nach eines der nützlichsten Instrumente die man im Krankenhaus zweckentfemden kann.

Der Inhalt kann je nach Dienst variieren, manchmal kommt noch ein Nitrospray, eine Spritze mit Heparin zum Portblocken, ein Katheterstopfen oder der Schlüssel für den BTM-Schrank dazu. Meine Kippen und das Feuerzeug verwahre ich in meiner Jackentasche, da wir dazu inzwischen meilenweit von der Klinik wegmüssen um unserer Sucht zwischen Abfallcontainern, Essensresten und Versorgunsfahrzeugen nachgehen können (dafür trifft man dort einen illustren Querschnitt des Krankenhauspersonals  von der Küchenhilfe bis zum Oberarzt). Den Klinikleitfaden Pflege hab ich leider nicht mehr unterbekommen, vielleicht kriegen wir ja mal irgendwann Cargohosen, da warten dann zwei weitere Beintaschen darauf gefüllt zu werden. Am leichtesten bin ich im übrigen während meiner Zeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Intensivstation durch die Gegend gelaufen, da hatte ich genau ein Gerät in der Tasche. Das war ein robustes Telefon mit einem großen roten Knopf auf der Oberseite und einer Art „Reißleine“ die zusätzlich mit einer Sicherheitsnadel am Kittel befestigt wurde. Das ganze Ding war in einem Alarmsystem geschaltet, bei Bedarf musste man den roten Knopf drücken und in Windeseile standen von 6 verschiedenen Stationen Pfleger (manchmal auch Schwestern) auf der Matte. Die „Reißleine“ hatte die Funktion den Alarm auszulösen wenn das Gerät gewaltsam entwendet werden sollte (manchmal reichte es auch aus wenn man beim Ablegen vergas die Sicherheitsnadel zu lösen ^^). Außerdem hatte ich den dicksten Schlüsselbund, inklusive Fixierschlüssel, meines Lebens an einer Kette in der Hosentasche. Ja, damals bin ich mir vorgekommen wie ein Vollzugsbeamter …





Noch einen Reiter ziehen, dann ist Feierabend …

1 11 2009

… dachte ich mir vorhin als noch die letzte Patientenkurve (das Krankenblatt eines Patienten, wird überall anders genannt) ausarbeitete und die Arztangaben eingetragen  sowie alles angegebene verabreicht bzw. vorgerichtet hatte. Endlich konnte ich den gelben Reiter, welcher für neue Anordnungen steht, zurückschieben und das Cardex zufrieden zuklappen.Nach 11 Tagen Dienst endlich die zwei freien Tage.

Hatte ich auch an alles gedacht? Diese Unsicherheit begleitete mich seit Mittwoch, seit ich angefangen habe vollkommen eigenverantwortlich zu arbeiten. Dieses Wochenenden war dann die Bewährungsprobe, es gab nur noch eine Schwester die mit mir im Dienst war und niemanden mehr der mir quasi als Mentor zur Seite stand. Ich musste mich erst mit dem Gedanken anfreunden dass ich wohl Fehler gemacht habe, keine die Patienten gefährden aber die den Ablauf insgesamt verlangsamt haben. Hie und da etwas vergessen einzutragen, viermal statt einmal laufen weil mir unterwegs erst eingefallen ist was noch fehlt. In der Schülerzeit hab ich das den Schwestern so übergeben, jetzt muss ich selbst dafür sorgen dass es umgesetzt wird. Mir wird langsam klar dass die Ausbildung noch lange nicht beendet ist, sondern dass sich jetzt erst der härtere Teil anschließt, das Erreichen der Selbständigkeit. Hier gibt es keinen Lernzielkatalog den man abhaken kann, hier hängt alles von einem selbst ab.

Dennoch erfüllt es mich mit Zufriedenheit, denn ich stehe endlich auf einer Stufe in der ich etwas Anerkennung bekomme. Die Schwestern bemängeln meine Fehler nicht wie in der Zeit als Schüler sondern haben Verständnis dass am Anfang noch nicht alles glatt läuft, ich muss mich nicht ständig rechtfertigen. Ich werde endlich als Kollege behandelt (das ist man als Schüler zwar auch aber irgendwie fehlt da etwas …) und auch entsprechend meiner Qualifikation als fehlendes Teil zum Gesamten gesehen, als Schüler läuft man ja immer irgendwie nebenher mit. Ich stehe auf einer Ebene mit den Ärzten und werde bei Bemerkungen ernst genommen und nicht wie eine Art Eleve angesehen. Auch habe ich nun plötzlich selbst Schüler unter mir und bemerke wie schwierig es ist ihnen Aufgaben zu erteilen bei denen sie etwas lernen können und sich nicht als Hilfskraft vorkommen. Negativerweise ist dies oft nicht zu umgehen, denn durch die aktuelle Stellensituation und Arbeitsbelastung komme ich nicht umhin dies hin und wieder tun zu müssen, da ich gewisse Aufgaben (und davon gibts bei uns endlos viele) Schülern nicht übertragen kann und darf. Portsysteme durchspülen und blocken, Kreuzblut abnehmen (überhaupt Blutabnehmen) und Kanülen legen oder Organisatorisches bei dem meist nur die examinierten Pflegekräfte den Durchblick haben weil alle Informationen über sie gehen, funktioniert da nicht. Damit nicht alles andere liegen bleibt kann ich meine Schüler (wie sich das anhört!) nicht ständig mitnehmen. Ganz zu schweigen von der Verantwortung!

Liebe examinierte Kollegen da draußen die sich schon oft über aufmüpfige Schüler geärgert haben: Das Verständnis für euer Handeln und eure Haltung entwickelt sich erst nachdem man selbst examiniert ist. Inzwischen verstehe ich viele Reaktionen.

Ansonsten gehen mir hundertausend Gedanken durch den Kopf. Übernimmt mich die Klinik bis März von der Zeitarbeitsfirma? Tut sie es nicht, wo arbeite ich dann nächste Woche? Immer noch dort oder muss ich dann wieder von vorne Anfangen? Wie gehts in meinem Privatleben weiter das momentan de facto nicht existiert? Bekomme ich meine Gefühlswelt die seit dem Wegzug aus Würzburg durcheinandergewirbelt ist wieder in den Griff?

Morgen werde ich mal Friede anrufen und ihn nach seinen Kontakten zur Entwicklungshilfe löchern, er hatte mir damals etwas erzählt. Vielleicht schmeiss ich ja alles hier erstmal hin und werde im Januar für ein paar Monate woanders arbeiten und auch den Studienbeginn verschieben. Wer weiß das schon … ich nicht!





Butterflys, Chemo, Dallmayr & Co

28 10 2009

Man kann sagen ich komme so langsam aber sicher auf meiner neuen Station an. Noch befinde ich mich in der Einarbeitungsphase die sich mit Sicherheit etwas hinziehen wird aber ich gewinne so langsam einen Überblick. Die ersten Telefonnummern des Hauses sind mir geläufig (v.a. Hauspfleger und Bettenzentrale ^^), der Ablauf sitzt einigermaßen und mit dem Blutabnehmen klappts so langsam auch.

Seit meinem Examen ist nun etwas mehr als ein Monat vergangen und ich fühle mich immer noch wie ein Schüler, was sich allerdings so langsam legt je mehr sich die Schwestern (die mich überaus gut anleiten und mir jederzeit Frage und Antwort stehen – herzlichen Dank an dieser Stelle!) aus meinem Arbeitsablauf zurückziehen und je mehr Schüler ich selbst beschäftigen und anleiten muss. Ein verdammt komisches Gefühl, zum Glück arbeite ich nicht mehr in dem Betrieb in dem ich gelernt habe. Ich würde mir ziemlich doof vorkommen, Leute die gerade mal ein Jahr unter mir sind herumzuschicken. Vor allem freue ich mich dass ich wie ein vollwertiger Teamkollege behandelt werde obwohl ich ja nur Leiharbeiter bin der bis Dezember geleast ist, ich hoffe dass ich morgen die Nachricht bekomme bis März bleiben zu dürfen sonst muss ich bis zum Beginn des Studiums woanders nochmal neu anfangen.

Wir werden sehen, jedenfalls fühle ich mich wohl und trotz des enormen Stress (die Kinderklinik war ein echter Witz dagegen!) bin ich zufriedener mit der Arbeit als in der Ausbildung. Vielleicht hätte ich doch lieber Krankenpfleger und nicht Kinderkrankenpfleger lernen sollen? Dann wär aber auch vieles gleich anders gelaufen.

 





Hast du einen Opa, schick ihn nach Europa.

25 10 2009

Oettinger geht und wird EU-Kommisar! Ich hab gedacht ich falle aus der Dusche als ich heute morgen die frohe Botschaft aus dem Radio vernahm. Warum, weshalb, wann und vor allem wer zum Henker kommt danach? Volker Kauder? Stefan Mappus?

Mit der Wahl Oettingers nach dem Abtritt Satans Erwin Teufels verhielt es sich, passend zu einer christlichen Partei, wie mit dem Bibelspruch „Herr vergieb ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“. Jeder links von der CDU stehende Wähler schüttelte nur den Kopf und äußerte Bedenken (ich erinnere mich noch genau daran wie mich ein 17-jähriger JU-Anhänger damals als unpatriotische linke Socke beschimpfte), die später jedoch auch einige konservative teilen musste. Mit Oettinger handelte sich Baden-Württemberg einen profillosen wirtschaftsliberalen und lobbyistisch veranlagten Geizhals und Querkopf ein der vor allem durch einen „mordsmäßigen“ Dialekt und rhetorische Entgleisungen auffiel. Ein richtiger Schwabe also (gewisse Parallelen zu Stoiber waren auch zu erkennen). Dass sich die meisten Ministerpräsidenten in ihrem Amt aufführen wie Landesfürsten ist nicht unbekannt, jedoch trieb Oettinger das meiner Ansicht nach auf die Spitze. Kaum ein anderer Präsident legte sich so häufig bei Beschlüssen oder Unternehmungen des Bundes quer, wen wundert es also dass man ihn nun „wegbefördert“ an eine Stellung in der er vordergründig wenig Schaden anrichten kann (oder weiß irgendjemand etwas vom aktuellen EU-Kommisar Verheugen? Nein? So was …) und sucht sich diesmal einen Nachfolger mit etwas mehr Bedacht heraus. Frau Schavan wäre damals die optimale Wahl gewesen. Enge Vertraute der Kanzlerin, Ministertreu und vor allem ruhig. Aber da hat sich die CDU mit ihrer konservativen Einstellung selbst ein Bein gestellt.

Eine Frau? Ledig und Kinderlos? Das Lesbengerücht stand lange im Raum. Das war zuviel für dein gemeinen CDUler, also Oettinger!

Nun also Herr Oettinger, viel Erfolg in Brüssel! (und das meine ich Ernst!) Ich bin auf den Nachfolger gespannt, seit Jahren geht es in BaWü eigentlich nur noch abwärts was das betrifft. Also Abwärts im sinne von konservativer. Volker Kauder dürfte inzwischen aus dem Rennen sein, also Favorit wird angeblich Stefan Mappus gehandelt. Um ihn kurz zu beschreiben: Erzkonservativ. In einem Interview forderte er unlängst ein schärferes Profil der Partei. Auch seine Bündnispartner dürfen sich auf klare Ansagen freuen. 2008 schenkte er dem Grünenvorsitzenden Winfried Kretschmann in symbolträchtiger Weise einen Schwarz-Grünen Schal, dieser Gruß ging an die FDP!





Zurückbleiben bitte!

21 10 2009

Diese Ansage wird mir wohl mitunter am deutlichsten in Erinnerung bleiben. Mein Berlinbesuch (nach langen 4 Jahren) hat sich dieses Mal so anders als bisher gestaltet.

Couchsurfen, sehr viel Kaffee und Tee, unterschiedlichste Wohnungen von Innen, Erstaunen ob der Mietpreise, heimisch fühlen, Spaß beim Spieleabend, Gespräche (persönliches, gesellschaftskritisches, politisches, philosophisches …), Medizinhistorie

Sightseeing ist völlig an mir vorbeigegangen, genauso irgendwelche Feierexzesse oder das Nachtleben. Dafür war ich exzessiv mit der U-Bahn unterwegs und genoss die Tatsache dass sich wirklich kaum eine Sau für meine Tics interessiert hat. Mal abgesehen von wenigen Ausnahmen bin ich bisher in jeder Stadt, besonders im ÖPNV angegafft worden wie aus dem Panoptikum entlaufen.

Diesmal verschwinden selten.

Das erinnert mich daran dass es sich vor kurzem jährte dass ich meine Diagnose bekommen habe. Ganze 8 Jahre hat nun der Dämon einen Namen und Gesicht und im Zuge dieser Indetifizierung auch seinen Schrecken und seinen Einfluss auf mich verloren.

Zur Erklärung: Es handelt sich um die Symptomatik des Tourette-Syndrom. Erstmal manifestierte sie sich in Form von Kopfnicken, Schulterzucken und Kehlkopfgeräuschen im zarten Alter von 6 Jahren. Man kann fast sagen dass es sich aus heiterem Himmel einstellte. Freilig kann ich kein genaues Datum oder Ereignis nennen, doch ist mir heute noch überaus deutlich die Zeit in Erinnerung als ich selbst feststellen musste dass mit mir irgendwas nicht stimmt.

Meine Eltern verdrängten es zuerst, der Kinderarzt identifizierte es als eine Marotte die sich wieder „verwachsen“ würde wenn meine Mutter mich nur anständig erziehen würde. Ein Schuldiger war schnell gefunden: Iron Maiden!
Ich habe bereits damals entdeckt dass mir bestimmte Musik mehr zusagt als der übliche Käse der im Radio zu hören war. Und so wurde alles an harter Musik weggeschlossen und ein Erziehungsprogramm aufgelegt. Meine Eltern merkten jedoch schnell dass dies auf keinen Fall Wirkung zeigen würde, scheiterte das ganze doch vor allem auch an meinem extremen Dickschädel, der omnipräsenten Protesthaltung und der Tatsache dass ich lieber sämtliche Strafen aussitzen würde als etwas zu tun was mir gegen den Willen ging. Ich erinnere mich gerade an einen Nachmittag den ich vom Mittagessen bis zum Abendbrot am Küchentisch däumchendrehend verbracht habe nur weil ich mich geweigert habe das Mittagessen zu verzehren („Ofenschlupfer“ – Die absolut widerlichste Form eines süßen Auflaufs die man sich überhaupt vorstellen kann). Im Zuge dessen durfte ich mir natürlich häufig Vorhaltungen von anderen Kindern anhören die sich willfährig ihren Eltern untergeordnet haben, was sich bei mir kontraproduktiv ausgewirkt hat da ich danach erst recht nicht werden wollte wie die anderen, ich war ja schon so unterschiedlicher.

Also wurde alles wieder eingemottet, die Symptomatik wurde ignoriert, alles ging seinen üblichen Gang. Sämtliche von uns konsultierten Kinderpsychiater und -neurologen hatten nicht den blassesten Schimmer keine Ahnung und verzapften irgendeinen küchenpsychlogischen Käse eine Fehldiagnose nach der anderen nur um sich nicht eingestehen zu müssen dass sie ausnahmsweise mal die Fortbildung  hätten besuchen sollen. Einmal war ich einfach schlecht erzogen (der Klassiker, jeder dritte echte ADHSler darf sich das regelmäßig anhören!), das andere Mal klammerte meine Mutter zu sehr, in der nächsten Diagnose wurde mir eine fehlende Vaterfigur attestiert und irgend ein übereifriger Christenjesus sah mich von Dämonen besessen (sic!!!) und empfahl innige Gebete zu Gott und vielleicht sogar ein Exorzismus. Manchmal frage ich mich wie Protestanten guten Gewissens behaupten können progressiver zu sein als Katholiken wenn in deren Reihen solche Hardliner unterwegs sind. Aber das ist ein anderes Thema.

Dann wurde es still, in der Schule wurde es sonderbarerweise von allen Mitschülern als nicht kontrollierbares Waszumgeierauchimmer akzeptiert und die Ticsymptomatik besserte sich sogar zwischenzeitlich. Allerdings nur um mit der beginnenden Pubertät umso härter zuzuschlagen!

Plötzlich wurde alles wichtig: Aussehen, Klamotten, die Wirkung in der Öffentlichkeit (insbesondere die Wirkung auf das andere Geschlecht!) wurden plötzlich wichtig und alles was nicht ins Raster passte wurde erbarmungslos ausgesiebt. Da ich da mit meinem Gezuckel (und der extremen Akne die ich zu meinem Glück auch noch hinzubekommen hatte) und meinen doch etwas eigenwilligen Ansichten von Gesellschaften, Politik, Miteinander und Kleidung (ich liebe bis zum heutigen Tage Schlaghosen und karierte Hemden ^^) nicht wirklich dazugehörte zog ich mich vollkommen zurück. In der Anonymität des Internets konnte ich aufblühen, hier lernte man ja zuerst andere Dinge des Gegenüber kennen bevor man ihn/sie zu Gesicht bekam. Es begann eine richtige Nerd-Zeit.

Man abonnierte die  PC-Games, in der Pause stand man mit den anderen blass-pickelgesichtigen Gamern in einer Ecke und diskutierte über die neusten Entwicklungen im Bereich der 3d-Hardwarebeschleunigern, die neuste Engine (das bahnbrechende Unreal war damals grade rausgekommen) oder über Sinnhaftigkeit von Gamepads im Vergleich zur herkömmlichen Steuerung über Tastatur. Man spekulierte über die Zukunft von Intel die damals sehr überraschend extreme Konkurrenz von AMD bekamen und verabredete sich zu LAN-Parties für die wir uns extra einen eigenen LAN-Switch gekauft und uns ausgiebig mit der aufkommenden Netzwerktechnik beschäftigt hatten.

Tja wir waren Pioniere damals, bevor das ganze zu einem Massenevent für mittelmäßige Gelegenheitsspieler wurde. Wir machten uns in unserer Ecke lustig über die Gothics in der anderen Ecke, dabei waren wir gar nicht so verschieden.

Ich wäre vielleicht heute noch genauso hätte mich nicht ein Anstieg des Ticniveaus, der wohl durch die heftige Hormonausschüttung getriggert wurde, mitten in eine Krise manövriert. Mein sich ständig selbstbemitleidendes Ego wurde jäh aus der bittersüßen Melancholie gerissen. Ich wurde unausgeglichen und aggressiv und verkrachte mich mit nahezu allen meinen ehemaligen „Freunden“ die durch irgend eine Entwicklung die ich nicht mitbekommen habe plötzlich nicht mehr zu den Nerds sondern zu den prolligen Coolen gehörten. Mit dem was früher einmal war wollten sie nichts mehr zu tun haben, hierzu hab auch ich gehört. Der „Behindi“ oder „Hampelmann“.

Ich hab genau gehört was hinter meinem Rücken über mich erzählt wurde, die teils mitleidigen, teils höhnischen Blicke der holden Weiblichkeit genau gesehen ohne mich umzudrehen.

Ich wurde noch zurückgezogener und hab viele Kontakte saußen lassen, mich komplett in mein Schneckenhaus verzogen. In dieser Zeit hab ich viele der neurotischen und zwischenmenschlichen Störungen entwickelt unter denen ich heute noch leide. Andererseits bin ich in dieser Zeit auch gereift, ich habe mir gewünscht die Zeit vordrehen zu können und endlich aus diesem gottverlassenen Kaff in eine Stadt zu kommen in der ich die Lösung von allem sah. Mitten in dieser Entwicklung sah ich einen TV-Beitrag über ein Kind mit Tourette und da wurde mir klar dass ich vieles ändern musste.

Ich wandte mich an einen Arzt mit konkretem Anliegen und erhielt genau die Hinweise auf kompetente Fachärzte die ich benötigte (seitdem gehe ich niemals mehr um Arzt ohne mich vorher eingehend über meinen Verdacht zu informieren). Et voilà: Ich erhielt nach einigen Tests, Gesprächen und Begutachtungen endlich meine Diagnose

Tourette-Syndrom!

Endlich hatte der „Dämon“ einen Namen, ein Gesicht. Ich konnte mich informieren darüber, ich hatte konkrete Hinweise auf Symptomatik, es passte einfach alles zusammen. Das wichtigste allerdings: Es gab Medikament um ihn in die Knie zu zwingen. Diese Medikamente waren zwar keine Patentlösungen, jedoch ermöglichten sie mir einen leichteren Einstieg in den Umgang mit Tourette.

Seit diesem Tag hat sich mein Leben grundlegend geändert … aber das ist eine andere Geschichte.





Und täglich grüßt das Murmeltier

11 10 2009

Arbeitslos sein ist scheisse furchtbar! Nicht dass ich insgeheim die Pause mal genießen würde aber man ist ständig auf der Suche nach Beschäftigung, da der Freizeitwert hier in der schwäbischen Prärie nicht gerade hoch ist.Im Oktober schon gleich dreimal nicht!

So hab ich mich die letzten Tage Dingen gewidmet die schon lange aufgeschoben waren wie z.B. Windows neuinstallieren und das Speicherchaos zu beseitigen nur um zu bemerken dass Windoof trotzdem immer noch scheisse doof ist. Mit jedem Tag Microschrott wird meine Wechselwille zu Ubuntu stärker. Dann hab ich mal ne runde Saiten spendiert und an allen Gitarren und Bässen eine Generalüberholung durchgeführt, besonders an meinem Yamaha 4er, dessen Saiten und die Tonabnehmer ich beim letzten Gig vollgeblutet habe weil ich mir die die Haut überm Nagel beim spielen mit Plek unbemerkt aufgerissen habe. Naja und dann halt was sonst noch so wartet, sortieren, aufräumen, ausmisten.

Aber seit 3 Tagen hab ich das alles bereits erledigt! Nicht mal das Tattoo braucht noch großartig Pflege. Um einen Job hab ich mich auch bereits gekümmert.

–> Am 22.10. werd ich in der Hustenburg anfangen, zwar über eine Zeitarbeitsfirma aber das bedeutet für mich eigentlich nur Vorteile im Moment.

Achja, ich fahr am 15.10 nach Berlin. Kurzentschlossen. Quasi …





Screwed & Tattoed

7 10 2009

So, jetzt ist es amtlich. Ich gehör zu der Schicht Menschen die von Natur aus Böse sind, Killerspiele spielen, Amokläufe planen, Lügen und Betrügen und Schimpf und Schande über ihren Arbeitgeber bringen.

Ich bin inzwischen nämlich nicht nur gepierced sondern auch tätowiert! Ja so richtig mit Farbe unter der Haut und so. Schon Angst bekommen? Ab sofort werd ich nämlich wohl auch mit Drogen dealen, denn das muss man wenn man tätowiert ist!

Hier ein kleiner Einblick in den Entstehungsprozess:

Abb. 1: Die aufgemalte Vorlage (auch Stencil genannt), danach gabs nochmal ne Kippe zur Vorbereitung und dann wurde losgelegt

Abb. 2 : Die fertigen Outlines (original mit Blut und so …), kurz nachder obligatorischen Raucherpause bevor mit dem Füllen angefangen wurde. Zu diesem Zeitpunkt fühlte sich die Haut bereits mehr als aufgekratzt an.

Abb.3: Fertig und Zuhause! Noch in Frischhaltefolie eingewickelt und ordentlich am Bluten aber schön

Abb. 4: Der Tag danach, endlich ausgepackt und von Tinten- sowie Blutresten gesäubert. Der Heilunsprozess läuft

Um ehrlich zu sein, der Schmerz war wirklich auszuhalten jedoch hat er sich gegen ende mit der unbequemen Lage auf der Liege sowie der schwindenden Geduld gepaart und wurde dadurch nervtötend. Zeitweise fühlte es sich an als kratze man durch offenes Fleisch am Bein.

Aber es hat sich gelohnt …





Update

6 10 2009

… am Tag überwiegen Regenschauer mit stürmischen Böen von West bis Nordwest, in der Nacht klar mit Temperaturen bis 8 ° C ….

Mein Leben gleicht gerade dem Wetterbericht, jeden Tag anders. Inzwischen hab ich auch noch den allerletzten Rest aus Würzburg geholt und bin inzwischen vollkommen zuhause angekommen. Man hat das seltsame Gefühl einen Rückschritt gemacht zu haben aber ich weiß es ja besser, was leider an meiner Blatt-im-Wind-Position nicht viel ändert. Dabei gibt es gute Nachrichten:

1. Das Wochenende in Würzburg war zwar sentimental aber schön obwohl ich mich noch mal von den wichtigsten Leuten dort verabschieden musste. Besonders bei einer Person von der ich es zuerst nicht  gedacht hätte fiel es mir besonders schwer.

2. Der Papierkram ist vorerst erledigt. Der Antrag auf ALG I geht heute raus, die Arbeitgeberbescheinigung geht direkt ans Amt und ich bekomme die Fahrtkosten zum Vorstellungsgespräch in Karlsruhe tatsächlich erstattet. Außerdem hab ich die ganzen Papiere für die Bewerbung in Halle zusammen, jetzt muss nur noch das IMAA das Formular fürs Sommersemester online stellen und dann geht das ganze los.

3. Norwegen hatte ich zwischenzeitlich aufgegeben aber ich hab mich doch dazu durchgerungen es zu versuchen, sobald ich wieder Geld verdiene (November) werd ich den Haufen mit den Dokumenten zusammenstellen und losschicken

4. Die Ergänzende Übung zum Fieldcamp am Wochenende hat mich angefixt, hab gerade mit dem Koordinator der Auslandshilfe telefoniert. Es gibt ein paar Dinge die ich noch klären muss aber dann werde ich mich für die Seminare anmelden und hoffentlich baldestmöglich zu humanitären Einsätzen in Katastrophengebieten zur Verfügung stehen. Endlich mal etwas wofür meine Ausbildung quasi die Freifahrkarte war und ich nicht hundertausend Anerkennungen hinterherrennen muss!!!

Man muss allerdings dazu sagen dass ich das niemandem empfehlen kann der nicht einmal eine entsprechende Übung mitgemacht hat oder sich intensiv mit gewissen ethischen Entscheidungen auseinandergesetzt hat. Es war nur eine Übung aber wir mussten Entscheidungen treffen die man sich als Westeuropäer niemals vorstellen kann. Man muss sich immer vor Augen halten dass man zwar medizinische Hilfe leisten kann aber die irgendwo ihre Grenzen hat und nicht jedem zugute kommen kann, es ist nicht wie im Film oder in der romantischen Vorstellung so mancher Gymnasiastenmädels (ja ich pauschalisiere manchmal gerne!). Wir hatten mehrmals die Entscheidung treffen müssen einem Patienten aufgrund der Ausichtslosigkeit seiner Verletzungen gar keine Hilfe mehr zukommen zu lassen um die Ressourcen für aussichtsreichere Fälle nutzen zu können und mussten ihn manchmal, das war besonders hart, von „leicht verletzt“ zu „abwartende Behandlung“ herabstufen. Wir mussten mitansehen wie ein paar der Patienten sterben mussten weil es schlichtweg vorort keine Möglichkeit gab sie zu behandeln und ein Abtransport frühestens in ein paar Stunden möglich wäre.

Das alles war natürlich gespielt aber durch die Bank weg Situationen die auch so tatsächlich vorkommen und mit denen man sich auseinandersetzen muss.

So long Johnny … jetzt fahr ich zum Tättowierer, vielleicht werd ich heute Abend bereits ein paar Bilder online stellen können





Sag zum Abschied leise Goodbye ….

27 09 2009

Heute ist es so weit: Meine Nachmieterin zieht bereits ins andere Zimmer der beiden ein!

Ich habe gestern den ganzen Tag damit verbracht zu streichen und teilweise sogar zu tapezieren. Ich habe mein Zimmer beinahe nicht wieder erkannt, so leer, kahl und andersfarbig. So langsam werd ich sentimental, denn mit der Wohnung verbinde ich sehr viel. In den letzten drei Jahren hat sich in meinem Leben so vieles radikal verändert und so vieles davon hat mein Zimmer mitbekommen. Angefangen bei den allabendlichen Telefonquälstunden die Tina immer eingefordert hat um die Fernbeziehung am Laufen zu halten oder mir mal wieder eine Standpauke zu halten. In dieser Wohnung habe ich fast verloren geglaubte Freundschaften wieder gerettet, auf das Examen gebüffelt, neue Songs auf der Gitarre einstudiert, gewisse andere Dinge erlebt ( ;) ) oder diverse Krankheiten auskuriert. Ich habe Anrufe entgegengenommen die mein Leben verändern und mit Besuchen gefeiert.

Nun ist das hier vorbei und ich wünsche meiner Nachmieterin dass ihr das Zimmer auch zu einem besonderen Ort wird.